Endangered Archives

Willkommen zum Endangered Archives Programme

Wenn jetzt nicht gehandelt wird, könnte ein wichtiger Teil des dokumentarischen Erbes der Menschheit verloren gehen, weil es als vermeintlich irrelevant entsorgt oder so weit vernachlässigt und dem Verfall preisgegeben wird, dass eine Wiederherstellung nicht mehr möglich ist. Diese Website erläutert die Grundsätze und Zielsetzung des Endangered Archives Programme (EAP, Programm für gefährdete Archive) und welchen Beitrag dieses Programm zur Erhaltung der Archive leisten kann.

Einzelne Forscher können Zuschüsse für die Identifizierung von Sammlungen, die zum allgemeinen Nutzen erhalten werden können, beantragen. Die Originalarchive werden in ihrem Ursprungsland sicher untergebracht und Kopien über die British Library und örtliche Einrichtungen zur Nutzung durch Wissenschaftler aus aller Welt zur Verfügung gestellt.

Das Endangered Archives Programme wird von Arcadia großzügig unterstützt.

Wenn Sie gefährdete Sammlungen oder Kulturen kennen, die sich als lohnendes Forschungsobjekt anbieten könnten, kontaktieren Sie uns.

Die Ziele des Endangered Archives Programme

  • Ziel des Programms ist es, zur Erhaltung von Archivmaterial weltweit beizutragen, das Gefahr läuft, zerstört bzw. vernachlässigt zu werden oder physisch zu verfallen. Das Programm erreicht dies in erster Linie durch die Erstellung von Kopien der gefährdeten Materialien auf digitalen Datenträgern oder Mikrofilm und die Unterbringung der Originale in sicheren lokalen Archiven. Zuschüsse werden den Bewerbern hierfür jährlich ausgezahlt.
  • Das Programm ist absolut reaktiv und abhängig von der Bewerbung von Forschern, Archivisten und Bibliothekaren, die sich für ein bestimmtes Thema, eine bestimmte Region oder Kultur interessieren, um Zuschüsse für spezifische, mit Sammlungen in Verbindung stehende Projekte. Das Programm selbst hat weder die Aufgabe noch die Ressourcen, um Institutionen zu identifizieren oder anzusprechen, die möglicherweise gefährdete Sammlungen besitzen.
  • Um für eine Finanzierung durch das Programm in Frage zu kommen, sollte sich das Archivmaterial auf eine „prämoderne“ Phase der Geschichte einer Gesellschaft beziehen. Es gibt hierfür keine festgelegte Definition, bedeutet aber häufig eine präindustrielle Epoche. Ebenso gehen wir normalerweise davon aus, dass sich das gefährdete Material in Ländern befindet, in denen die Ressourcen und Möglichkeiten zur Erhaltung des Materials fehlen oder begrenzt sind. Archivmaterial wird vom Programm allgemein als Zeitungen und Zeitschriften, Audio- und audiovisuelles Material, Fotos, seltene gedruckte Bücher und Manuskripte sowie ähnliches definiert.
  • Das Programm will lokale Fähigkeiten verbessern, um künftige Archivsammlungen zu verwalten und zu erhalten. Es ist wichtig, dass alle Projekte unter Beteiligung örtlicher Archivpartner im Projektland stattfinden. Die Kosten für die professionelle Schulung lokaler Mitarbeiter werden im Rahmen der Konzepte unterstützt und gefördert. Dabei kann es sich um den Bereich der Archivmaterialverwaltung oder die technische Ausbildung bei der Digitalisierung handeln. Zuschussempfänger können Schulungen für Teammitglieder organisieren und dabei für spezifische Zwecke lokale oder ausländische Fachleute heranziehen, oder bestimmte Mitarbeiter können für relevante Schulungen abgestellt werden.
  • Das Original-Archivmaterial verlässt das Ursprungsland nur in Ausnahmefällen und vorübergehend, wenn dies für bestimmte Erhaltungs- oder Vervielfältigungszwecke erforderlich ist. Selbst dann ist dies nur mit der schriftlichen Genehmigung der zuständigen Behörde zulässig, und das Material wird nach Erfüllung des Grunds für die vorübergehende Entfernung in das Ursprungsland zurückgeführt. Es werden mindestens zwei Kopien aller Unterlagen erstellt – eine wird in der British Library hinterlegt, während die andere im Ursprungsland bei der festgelegten Partnerinstitution verbleibt und so für lokale Forscher verfügbar ist.
  • Das Programm ist nicht dazu bestimmt, in einem offiziellen Archiv aufbewahrte Dokumente massenweise digital zu erfassen. Bewerbungen nationaler oder regionaler Institutionen werden nur dann finanziert, wenn das entsprechende Land nicht über ausreichend Ressourcen verfügt und das gefährdete Material von besonderer Bedeutung ist. Selbst in diesem Fall wird vermutlich nur ein prioritärer Teil der Sammlung unter das EAP-Programm fallen. Allerdings kann das Projektteam selbstverständlich die vom Programm finanzierte Ausrüstung auch nach Auslaufen der Zuschüsse weiter nutzen. Ein Großteil der finanzierten Projekte erstreckt sich auf die Sammlungen von Einzelpersonen oder von staatlichen Organisationen.
  • Vom Programm finanzierte Ausrüstung bleibt auch nach Auslaufen der Zuschüsse im Projektland und kann dort genutzt werden – entweder von der gastgebenden Institution (sofern sie im Land angesiedelt ist) oder vom örtlichen Archivpartner (sofern die gastgebende Institution nicht im Land ansässig ist). Diese Ausrüstung kann Scanner, Digitalkameras, Computer und zugehöriges Verbrauchsmaterial beinhalten.
  • Die Zuschüsse werden in der Regel von den gastgebenden Institutionen verwaltet. Dabei kann es sich um eine akademische oder archivierende Institution im Ausland handeln, Bewerbungen von Gastgeberinstitutionen im Projektland werden aber besonders begrüßt. Das EAP-Programmbüro berät und unterstützt gerne bei der Formulierung einer erforderlichen Bewerbung. Zuschüsse können auch unabhängigen Einzelforschern zuerkannt werden, wenn der Bewerber momentan nicht mit einer geeigneten Institution verbunden ist. In diesen Fällen muss der unabhängige Forscher in der Lage sein, bisherige Erfolge bei der Verwaltung und Durchführung von Projekten vorzuweisen.
  • Sowohl Mikrofilme und als auch Digitalisierung sind mögliche Kopierverfahren im Rahmen des Programms. Wenn vom gefährdeten Material digitale Kopien erstellt werden, müssen diese Bilder ein Format haben, das ihre langfristige Erhaltung gewährleistet. Daher müssen zur Erhaltung von Texten und Fotos Dateien im TIFF-Format erstellt werden und zum Zugriff auf die Bilder Dateien im jpg- oder pdf-Format. Die British Library erhält zwar eine Kopie der zu erhaltenden TIFF-Bilder, doch ist diese Kopie keineswegs die zu archivierende Hauptkopie, sondern nur eine Sicherungskopie, da die zu archivierende Hauptkopie normalerweise in einer archivierenden Organisation im Ursprungsland hinterlegt wird.
  • Das Urheberrecht am Material verbleibt beim Eigentümer des Urheberrechts, und die Erlaubnis zur Nutzung zu anderen als Forschungszwecken muss vom Eigentümer der Urheberrechte eingeholt werden.
  • Alle Bewerbungen um Zuschüsse im Rahmen des Programms werden von einem internationalen beratenden Expertengremium geprüft. Dieses Gremium umfasst acht Mitglieder, sechs davon Akademiker oder Archivisten aus verschiedenen Disziplinen bzw. Regionen weltweit. Den Vorsitz über das Expertengremium, in dem auch ein Vertreter der British Library sitzt, führt der Arcadia-Hauptberater.

Welche Forschungszuschüsse gibt es?

Großprojekte – Einzelforscher können Zuschüsse beantragen, um relevante Sammlungen zu finden, ihren Transfer möglichst in ein geeignetes lokales Archiv zu organisieren und die Sammlungen der British Library und einer lokalen Institution zur Nutzung durch internationale Forscher zur Verfügung zu stellen.

Pilotprojekte – das Programm begrüßt besonders Bewerbungen für Pilotprojekte, um das Weiterbestehen von Archivsammlungen zu einem bestimmten Thema, einer spezifischen Region oder in einem bestimmten Format sowie die Möglichkeit der Erhaltung bzw. Wiederherstellung dieser Sammlungen zu prüfen.

Zuschüsse werden jährlich gezahlt. Die für das Projekt beantragten Mittel sollten in Bezug auf die geplanten Arbeiten vollständig begründet werden. Es ist davon auszugehen, dass ein Großprojekt rund 50.000 GBP und ein Pilotprojekt 10.000 GBP kostet.